BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.
Der Ziegel ist zurück
Geschichtet • Der Ziegel zeigt Qualitäten, die moderner sind als viele seiner vermeintlichen Alternativen. Das alte Baumaterial schreibt gereinigt und wiederverwendet mit seiner Patina die Baugeschichte fort, als neuer Stein fördert er eine präzise Planung, eine differenzierte Fassadengestaltung oder sorgt für robuste Innenräume – immer mit unverwechselbarem Charakter.
Backstein-Finesse • Im Osten von London ist ein inklusives Tanzzentrum entstanden, das „Sadler’s Wells East“. Das kompakte Haus weist ein bis ins Detail durchdachtes Ziegelkleid mit Sonderlösungen wie spitzen Ecken und Musterverbänden innen und außen auf, wobei sich Bauform und Materialwahl auf die industri- elle Vergangenheit des Areals beziehen.
Zwischen Resten vom Rittergut • Kaum bekannt sind die dörflichen Überreste von Hellersdorf inmitten der großen Berliner Plattenbausiedlung gleichen Namens. Es sind allerdings nur Ställe und Wirtschaftsgebäude erhalten geblieben. Für die Neuentwicklung des Gebiets haben jetzt Therese Strohe und Michael Ullrich ein robustes, anpassungsfähiges Gewerbegebäude ergänzt.
Zeitschichten aus Stein • Auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik Cham wurde das denkmalgeschützte, lange Haupthaus mit einer Mischung aus Wohnen, Gewerbe und Kultur saniert und ausgebaut. Entstanden zwischen 1912 und 1943, handelt es sich um ein Gebäude mit vielen Zeitschichten, die die Architekten erhalten wollten, ohne einen falschen Idealzustand herzustellen. Sanierte Steine, freigelegte Ziegelwände und neue Einbauten aus sichtbar gebliebenem Industriebackstein bilden heute ein sympathisches, praktikables Ambiente.
Neue Schichten aus altem Stein • In Belgien zeigt ein Projekt von Maker Architecten, wie in einer kleinen Sozialbausiedlung von 1924 am Rand der Innenstadt von Kortrijk heutige soziale, ökologische und baukulturelle Impulse gesetzt werden können: durch Inklusion, Transformation und Wiederverwendung.
Respektvolles Nebeneinander • Die Erweiterung und Sanierung des denkmalgeschützten Rathauses in Brühl ist ein gelungenes Beispiel für den sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz. Das Projekt umfasst die Sanierung des Rathauses mit Bürgeramt und Standesamt sowie eine Erweiterung für die Stadtbücherei – eine imposante Ziegelerscheinung mit drei Giebeln. Als letzter Baustein wurde jetzt die Neugestaltung des angrenzenden Janshofs als Stadtplatz fertiggestellt.
Reise nach Taschkent • 1966 zerstörte ein Erdbeben die Altstadt der usbekischen Hauptstadt Taschkent und hatte ein enormes sowjetisches Wiederaufbauprogramm zur Folge. Das Besondere: Regionale Bautraditionen flossen in die modernen sozialistischen Entwürfe ein, was zu einem außergewöhnlichen Architekturerbe führte. Drei neue Architektur- und Kunstbände zeugen von diesem Phänomen und bringen es Architektinnen und Architekten als Reiseziel näher.
Aus der Asche Warum Ziegelbauten immer auch Wiedergeburten sind • Es gibt einen Moment, in dem alles stillsteht. Der Rauch hat sich verzogen, das Knistern ist verklungen, und was eben noch gebaut war, liegt nun offen da – geschwärzt, geborsten, zerfallen. Und mittendrin, oft halb vergraben, aber unversehrt: ein Ziegel. Vielleicht angeschlagen, aber nicht gebrochen. Vielleicht verrußt, aber noch warm. In diesem Moment ist er mehr als nur ein Stein. Er ist ein Versprechen.
Unterwegs Gästehaus Kloster, Raketenstation Hombroich • Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Gästehaus...